Leverkusener Anzeiger 19. Mai 2008

Nonsens und Klamauk in der „Metropole“

„Springmaus“ – Ensemble verleit Oscars

Das Improvisationstheater gastierte im Forum – und wusste wieder einmal zu begeistern.

Das Forum ist voll. Die Menschen kommen aus Schlebusch, Opladen, Lützenkirchen, Fettehenne – und sind stolz drauf, wenn man sie drauf anspricht. Entsprechend folgert Norbert Frieling: „Heute sind nur Kosmopoliten hier“. Das zeugt von messerscharfem Verstand. Und: So schnell wie der Darsteller des „Springmaus“ – Theaters dürfte wohl noch kein Mensch Leverkusener Soziologie betrieben haben. Das „Springmaus“ – Trio macht Leverkusen kurzerhand zur Metropole. Und weil Metropolen auch Glanz- und Glamour- Veranstaltungen stattfinden, verlegen die Mitglieder des vielleicht Ursprünglichsten aller Improvisationstheater die Verleihung des „Oscars“ hierher.

Eine gute Wahl: zwei Stunden lang nämlich wird gegrölt, gejubelt, werden Schenkel geklopft. Und bei ausnahmslos jedem Zuschauer schwingt die Angst mit, plötzlich auf die Bühne geben zu werden.
Diesmal erwischt es Sabrina, die bei einer „Hollywood – Streitszene“ um den Festtags – Kaninchenbraten anzeigen muss, an welchen Stellen die sich „zoffenden Norbert frieling und Silke Vennemann zwischen deutscher, polnischer und türkischer Sprache wechseln sollte.

Sabrina bekommt den Oscar für „Die beste Tontechnik“. Oder Steffi: Sie muss in einer Gerichtsszene die Hände eines Angeklagten „doubeln“ – und wird mit einem Oscar für das „beste Gerichtsdrama“ geehrt. Oder Guido, der als Superheld „extrem Guido“ in „Superman“ – Unterhose und in Blödelmaske auf dem Kopf den täglichen Stauwahnsinn auf der A3 bekämpfen soll. Ihm gebührt die Auszeichnung für die „beste Superhelden – Nebenrolle“.

Das ist natürlich alles kompletter Nonsens. Selbst Helge Schneider hätte Mühe, hier in Sachen Sinnlosigkeit mitzuhalten. Und nach kurzer zeit merkt selbst der Unwissende: Wenn das „Springmaus“ – Trio zu Gast ist, dan ist Klamauk angesagt. Dann geht es um Menschen, die sich gemeinsam mit Heidi Klum auf der Chinesischen Mauer rasieren. Dann geht es um Kuhbauern in fettehenne, die plötzlich mit dem Rinderwahn zu kämpfen haben. Dann geht es um das Schmettern von Gospels, die sich um Roberto Blanko auf Bootsfahrt drehen.

Aber: Mit welcher Verve, mit welchem spontanen und oft einfach nur mitten aus dem leben gegriffenen Witz und mit welcher Menge an Lokalkolorit die scheinbar endlos durch die Lande scheinbar endlos durch die Lande tourenden „Springmäuse“ ihrer Show immer und immer wieder füllen, das bleibt bewundernswert. Es ist wie es ist: Man muss sie gesehen haben. Wenn nicht bei der „Oscar – Verleihung“ in Leverkusen, dann beim ganz, ganz sicher folgenden nächsten Gastspiel. (frw)