Mainzer Rheinzeitung 30. Mai 2008

Sieben Oscars für das tolle Publikum

Improtheater spielt im Unterhaus

Mainz. Oscar Nacht im Unterhaus: Sieben der begehrten Trophäen stehen auf dem Klavier bereit. „Ihr seid alle nominiert“ ruft Silke Vennemamm. Das Publikum im ausverkauften Gewölbe jubelt. „Hier seid ihr alle Stars“. Mit dem Programm „Mach dein Ding!“ treibt das Improtheater jenes Rezept auf die Spitze, mit dem es seit gut25 Jahren Furore macht:
Ohne die Ideen der Fans geht nichts. Sie geben Stichworte, nach denen das Ensemble reagiert, sie müssen oder dürfen – mit auf die Bühne, sind Teil der Show.

Das Atemberaubende Tempo aber gibt Vennemann mit ihren Kollegen Norbert Frieling und Pianist Gilly Alfreo. Vor. Schnell müsse die Zurufe aus dem Publikum kommen. Das Trio wird zum Gospel verwursten. Ein Filmzitat?

„Schlangen, ausgerechnet Schlangen“ tönt es. Ein typischer Elternspruch an den Nachwuchs? „Mach die Augen zu, dann siehste, was dir ist.“ Ein berühmter Entertainer? „Peter Alexander“ „lebt der noch?“, fragt Frieling. „singen wir schnell, es kann jederzeit was passieren.“

Für einen Oscar aber reichen die Zurufe noch nicht. Martin kommt auf die Bühne, um zu seiner Szene wechselnde Requisiten zu spielen: Türen, Traktoren, Baby, Kuh. Oscar für die beste Ausstattung.

Thomas soll als Superheld in blauer Unterhose mitspielen, als es darum geht, ein Mainzer Problem eindeutig zu lösen: Die Zuschauer haben das Kohlekraftwerk auf der Ingelheimer Aue und dann macht „Extrem – Thomas“ nun den gar aus. Ein Oscar für die beste männliche Hauptrolle.

Lustig geraten die Szenen immer, aber niemand steht lächerlich da. Das ist die Kunst der Springmäuse. Die nervösen kleinen Nager huschen herum, um jeden Hinweis zu verarbeiten, jede Peinlichkeit zuzudecken. Sie geben Hilfestellung, wo es hakt, und erschaffen in wenigen Minuten aus der Vita eines Ehepaares ein Musical.

Durch diese Schule sind schon einige Künstler gegangen, etwa Comedian Bernhard Hoecker. Sein Format erreicht das Trio zwar nicht, doch nah ran kommen die drei. Einzig die Stammgäste werden merken, dass es an neuen Ideen fehlt. Das Improvisationstheater setzt sehr auf bewährtes. Aber was soll’s, damit entzückt es sein Publikum – und dies ist genau der Anspruch der Springmäuse. Gerd Blase