Bonner Rundschau, Mittwoch 23. April 2008

Wenn der Lord nach Hause telefoniert

Gelungene Premiere des neuen Springmaus-Improvisations-Programms "Mach dein Ding!"

Von Christoph Pierschke

Bonn. Zum 25-jährigen Bestehen klopfte das Springmaus-Ensemble mit seinem neuen Programm nicht etwa selbst gönnerhaft auf die Schultern, sondern ehrt viel mehr sein Publikum. "Mach dein Ding" ist keineswegs eine dieser geistesabwesenden Castingshows mit Dieter Bohlen oder Thomas Gottschalk sondern die Endenicher Oscar Verleihung fürs Publikum.

Und so gibt es zu beginn erst einmal einen rauschenden Applaus für die Zuschauer - vom Band versteht sich. Willkommen zur großen Springmaus - Oscarnacht.
Alle sind nominiert. Jeder, der sich nur traut kann einen "Goldjungen" mit nach Hause nehmen. "Wer du auch bist, find' deinen eigenen Swing" frohlocken Silke Vennemann, Norbert Freiling, Gilly Alfeo und rufen dem Publikum Mut für die kommenden zwei Stunden zu: "Mach dich doch frei". Denn natürlich bekommt man den Oscar wie in Hollywood nicht einfach geschenkt. Wer gewinnen will, muss schon sein Geschick im großen Gerichtsdrama, als Superheld oder unberechenbarer Regisseur beweisen.

Dabei werden die Springmäuse natürlich in gewohnter weise zum Spielball ihres launischen Publikums. Als jubilierender Gospelchor müssen sie Dieter Thomas Hecks Leidenschaft zum Spendensammeln besingen. Gepaart mit einer echten Mutter-Phrase wie "Zieh dich warm an" und der berüchtigten E.T. - Filmzentrale "nach Hause telefonieren, die das Publikum den Mäusen vorgeben, improvisieren Vennemann, Freiling und Alfeo schließlich unverdrossen: "Wenn Dieter Thomas Heck spenden sammelt, will der Lord nach Hause telefonieren". So geht es gewohnt munter durch einen skurrilen, leicht verrückten, aber stets heiteren Abend voller Kurzszenen.

Action und Bibelfilme folgen in Sekundenschnelle aufeinander, weil der Publikumsregisseur das nun mal so will. Freiling und Vennemann müssen i ihrer großen Filmstreitszene a la Hollywood wie auf Knopfdruck zwischen russischem Kauderwelsch und rheinischem Frohsinn hin und her wechseln. Natürlich kann nicht jeder im Saal einen Oscar mit nach hause nehmen, aber "Mach dein Ding!" ist reif für die nächste Hollywood-Gala. So eine durchgedrehte Oskar - Verleihung hat es sicher noch nie gegeben.